Stand: 22.10.2026 • 07:03 Uhr
Angesichts der landesweit niedrigen Zustimmungswerte für Trump hoffen viele Demokraten in den USA auf einen deutlichen Sieg bei den Zwischenwahlen in zwei Wochen. Umfragen nähren ihre Zuversicht. Doch sind sie verlässlich?
Von Jan Oppel, ARD Washington
James Talarico will Senator von Texas werden. In den Umfragen liegt der 37-Jährige knapp vor seinem republikanischen Kontrahenten Ken Paxton. Das ist eine kleine Sensation, denn Texas hat seit Jahrzehnten keinen Demokraten mehr in den Senat gewählt. Auch in den Bundesstaaten Alaska, Ohio oder Iowa, eigentlich sicheren Bastionen der Republikaner, sind die Demokraten in den Umfragen gleichauf oder sogar vorn. Bleibt das so, könnten sie die Mehrheit im Senat gewinnen.
Analysten wie Harry Enten, Datenexperte beim Fernsehsender CNN, mahnen allerdings zur Vorsicht: "Die durchschnittliche Abweichung liegt bei 3,7 Prozentpunkten. Wenn man all diese knappen Rennen hat, muss man das berücksichtigen, denn die meisten davon liegen innerhalb dieser Spanne. Es ist zu diesem Zeitpunkt zu eng, um zu sagen, wie es ausgeht."
Hinzu komme, dass viele Trump-Anhänger an Umfragen gar nicht teilnehmen, weil sie den Instituten misstrauen, sagt der Meinungsforscher Frank Luntz, der lange für die Republikaner gearbeitet hat:
Wir wissen, dass sie bei Telefonumfragen nicht mitmachen. Wenn wir uns die Umfragen vom Wahltag 2016 im Vergleich zum Ergebnis anschauen: Das hat auch mich damals in die Irre geführt. Trumps Wähler haben sich geweigert, bei diesen Umfragen mitzumachen, weil sie dachten, die Umfragen sind verzerrt. Und das ist, was ihnen die Republikaner heute auch erzählen.
Ein Name fehlt auf dem Wahlzettel
Die großen Institute gewichten ihre Daten allerdings, um solche Verzerrungen auszugleichen. Und Experten wie Nate Cohn von der New York Times verweisen auf einen wichtigen Unterschied: Diesmal steht Trump nicht selbst auf dem Wahlzettel. Und viele seiner Anhänger, die Umfragen meiden, bleiben bei Zwischenwahlen oft zuhause.
Bei den Midterms seien die Umfragen zuletzt deutlich genauer, sagt Bernie Porn vom Meinungsforschungsinstitut EPIC-MRA in Michigan. Und auch dieses Mal lasse sich klar die Richtung erkennen:
Es wird wahrscheinlich schwierig für die Republikaner, es sei denn, alle Umfragen liegen falsch, und wir sprechen da von Tausenden Interviews. Die Chancen stehen gut, dass sich die Demokraten die Kontrolle über das Repräsentantenhaus und den Senat zurückholen.
Geht Texas nach 38 Jahren wieder an die Demokraten?
Für das Repräsentantenhaus haben die Demokraten ihren Vorsprung in den Umfragen zuletzt ausgebaut. Im Senat aber bleibt es eng, auch in Texas, wo sich der Republikaner Ken Paxton noch nicht geschlagen gibt: "Es gibt mehr Republikaner als Demokraten in Texas - wir werden dieses Rennen gewinnen, wenn unsere Leute wählen gehen!"
James Talarico hofft weiter, dass er es als erster Demokrat seit 1988 für Texas in den Senat schafft. Auf die Umfragen allein will aber auch er sich nicht verlassen. "Bis die letzte Stimme ausgezählt ist, bleibe ich der Underdog." Beide Parteien liegen beim Rennen um den Senat praktisch gleichauf.
