Vor etwa zwei Wochen hatte Frankreichs Finanzminister Roland Lescure den Haushaltsentwurf für 2027 vorgestellt. Seine Beschreibung der französischen Haushaltslage könnte man - freundlich gesagt - als "Understatement" bezeichnen. Das Haushaltsjahr 2027 folge auf eines, das ebenfalls schwierig gewesen sei, sagte Lescure.
Laut offiziellen Angaben liegt Frankreichs Schuldenquote in diesem Jahr bei knapp 120 Prozent der Wirtschaftsleistung. Allein für Zinszahlungen auf Kredite waren im Haushalt fast 80 Milliarden Euro eingeplant. Der Zinssatz, den Frankreich für zehnjährige Staatsanleihen zahlen muss, liegt inzwischen bei knapp fünf Prozent.
"Frankreich steht finanziell mit dem Rücken zur Wand", sagt Mathieu Plane. Der Ökonom unterrichtet an der Uni Sciences Po und arbeitet für die Wirtschafts-Denkfabrik OFCE. "Es gab schon mal Situationen, in denen unser Haushaltsdefizit höher lag als fünf Prozent - etwa während der Schuldenkrise 2010", sagt Plane im Fernsehsender France 5. "Wir haben das in den Griff bekommen, auch wenn es schwierig war. Aber damals gab es politische Mehrheiten, um das hinzukriegen. Heute stellt sich die Frage: Wer kann das schaffen? Und wie?"
Weniger für Entwicklungspolitik, mehr für Verteidigung
In ihrem Haushaltsentwurf plant die französische Regierung "Sanierungsmaßnahmen" in Höhe von gut 40 Milliarden Euro. Kürzen will sie vor allem bei Entwicklungshilfe und Beschäftigungspolitik. Die Verteidigungsausgaben hingegen sollen deutlich steigen.
Wichtigster Grundsatz sei, das Haushaltsdefizit von aktuell 5,4 auf 5,0 Prozent zu senken, erklärt Finanzminister Lescure. "Das ist ein sehr wichtiges Element, ein Anker", so der Politiker. "Ich zähle darauf, dass sich alle Abgeordneten und Senatoren verantwortungsvoll verhalten: Angesichts einer schwierigen internationalen Lage und großer Herausforderungen. (...) Stellen wir uns dieser Herausforderung, um unsere Handlungsspielräume zu wahren."
Für die Regierung ist das eine fiskalische Herkulesaufgabe. Und ein politischer Drahtseilakt. Denn in der Nationalversammlung hat sie keine eigene Mehrheit - und auf die Kompromissbereitschaft der Opposition kann Premierminister Sébastien Lecornu wohl kaum zählen, ein halbes Jahr vor der Präsidentenwahl.
Kritik und Gegenvorschläge aus der Opposition
Éric Coquerel ist Mitglied der linksradikalen Partei LFI und Vorsitzender des Haushaltsausschusses. Er kritisiert, dass geplante Steuererhöhungen vor allem Rentner und die Mittelschicht träfen - Reiche dagegen verschont blieben. "Es gibt für uns als Opposition keinen Grund, ein schlechtes Haushaltsgesetz mitzutragen", sagt Coquerel. "Wir werden uns also widersetzen."
Der rechtsnationale Rassemblement National wiederum hatte vergangene Woche einen Gegenentwurf zum Haushalt der Regierung präsentiert. Der RN will unter anderem Frankreichs Beitrag zum EU-Budget kürzen, über das gerade in Brüssel verhandelt wird, ebenso wie Sozialleistungen für Migranten. Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen sprach von "radikalen" Sparmaßnahmen. "Wir werden bis 2032 insgesamt 140 Milliarden Euro einsparen - verglichen mit 2026", sagte sie. "Ich hoffe, dieses Ziel nicht noch verschärfen zu müssen, sollte sich die Situation bis zum zweiten Wahlgang der Präsidentenwahl am 2. Mai weiter verschlechtern."
Viele Vorschläge des RN seien schwer durchsetzbar oder hätten überschaubare Spareffekte, betonen Wirtschaftsexperten. Laut dem Hohen Rat der Öffentlichen Finanzen, der zum französischen Rechnungshof gehört, hat aber auch die Regierung ihren Budgetentwurf auf optimistischen Annahmen gegründet: etwa auf einem Wirtschaftswachstum von einem Prozent und sinkenden Zinssätzen auf französische Staatsanleihen. Die politische Unsicherheit und die wackligen Mehrheiten im Parlament dürften es noch schwieriger machen, die Sparanstrengungen politisch durchzusetzen.
