Am Wochenende waren landesweite Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten in Frankreich von schweren Ausschreitungen und Plünderungen begleitet worden. Bilder und Videos in den Sozialen Netzwerken gingen viral, die das Ausmaß der Zerstörung und Gewalt zeigen sollen. Allerdings sind darunter auch KI-generierte Inhalte und ältere Aufnahmen, die in einem anderen Zusammenhang entstanden sind. Die Proteste in Frankreich hatten bereits Mitte September in den Pariser Vororten wegen Missständen an Schulen begonnen und sich seitdem landesweit ausgeweitet.
Bild von alten Menschen in Unterwäsche nicht echt
Ein Bild, das weltweit Aufmerksamkeit erregte, zeigt zwei ältere Menschen, die nur in Unterwäsche bekleidet auf einer Straße stehen, um sie herum schwarz Vermummte. Alleine ein französischsprachiger Posting mit diesem Bild auf X wurde mehr als 6,3 Millionen mal aufgerufen. In einem deutschsprachigen Posting heißt es dazu: "ERSCHRECKEND! Ein über 80-jähriges Ehepaar wurde in Paris in der Nähe des Place de la Republique von Chaoten angegriffen und ausgeraubt. Ihnen wurden Schmuck, sonstige Wertsachen und die Kleidung geraubt und halbnackt zurückgelassen." Doch das stimmt nicht, denn das Bild ist mit KI-generiert oder bearbeitet worden.
Das zeigt eine Überprüfung mit dem SynthID-Detektor, zur Identifizierung von KI-generierten Inhalten. Demnach wurde das Bild mit KI erstellt oder bearbeitet. Hinzu kommt unter anderem, dass die linke Hand von der Frau auf dem Bild offenbar nur vier Finger hat und die Person links im Bild scheint zwei Köpfe, aber nur einen Körper zu haben.
Dieses Bild wurde mit KI erstellt oder bearbeitet.
Video mit Palästina-Flaggen an Eiffelturm KI-generiert
Ein weiteres Video, das alleine auf X mehr als 3,5 Millionen Mal angezeigt wurde, ist nicht authentisch. Darauf zu sehen ist, wie Aktivisten zwei große Flaggen an der Spitze des Eiffelturms hissen. Dazu heißt es unter anderem in den Postings, die Protestler hätten die palästinensische Flagge am Eiffelturm angebracht, verbunden mit der Behauptung, Frankreich sei von Einwanderern übernommen worden. Doch das Video ist mutmaßlich KI-generiert.
Dieses Video wurde vermutlich mit KI erstellt.
So sind unter anderem die Proportionen in dem Video fragwürdig. Der Eiffelturm ist mehr als 300 Meter hoch. In dem Video sind die Umrisse der Menschen an der Spitze des Eiffelturms jedoch bereits in der Totalen deutlich zu erkennen. Auf echten Bildern und Videos vom Eiffelturm mit Menschen an der Spitze sind diese deutlich kleiner im Verhältnis zum Turm.
Auch eine der beiden Flaggen liefert einen Indiz für den Einsatz von KI. Zwar ähnelt sie von den Farben und der Gestaltung der palästinensischen Flagge, allerdings befindet sich im roten Dreieck ein weißer, fünfzackiger Stern. Die palästinensische Flagge hat jedoch keinen Stern.
Die jordanische Flagge wiederum hat zwar dieselben Farben wie die palästinensische und auch einen weißen Stern im roten Dreieck, jedoch hat dieser sieben Zacken. Es handelt sich somit weder um die richtige palästinensische, noch um die richtige jordanische Flagge.
Hinzu kommt, dass es keinerlei andere Quellen für eine derartige Aktion vom vergangenen Wochenende am Eiffelturm gibt. Es gibt lediglich Medienberichte über eine Aktion der Bewegung "Extinction Rebellion" aus dem Mai dieses Jahres, bei denen Aktivisten eine Palästinensische Flagge am Eiffelturm angebracht hatten - jedoch nicht an der Spitze, sondern deutlich weiter darunter.
Ein ähnliches Video mit einer vermeintlich gehissten Palästina-Flagge am schiefen Turm von Pisa kursiert darüber hinaus. Auch bei diesem Video handelt es sich mutmaßlich um KI-generierten Inhalt.
Alte Bilder von Demonstration im Umlauf
Ein weiteres Video zeigt eine Menschenmenge in Paris auf dem Place de la République, die vor allem palästinensische Flaggen schwenken. In einem Post dazu, der mehr als 3,2 Millionen Aufrufe hat, heißt es: "Nicht eine einzige französische Flagge bei den 'Protesten' der 'Studenten'. Nur Flaggen islamischer Einrichtungen." Doch die Aufnahmen stammen nicht von den aktuellen Protesten in Frankreich.
Die Aufnahmen von den Protesten sind nicht aktuell.
Tatsächlich entstanden die Bilder während einer Demonstration in Paris am 25. Mai 2025, bei der ein Ende der Militäroperationen durch Israel im Gazastreifen gefordert wurde. Eine Bilderrückwärtssuche zeigt Fotos der Demonstration bei Getty Images, auf denen die Personen, die auf dem Monument à la République stehen, identisch sind zu denen, die im Video zu sehen sind. Auch weitere Bilder der Demonstration stimmen mit denen aus dem Video überein.
"Pink Panther"- Bilder sind manipuliert
Bilder und Videos eines als Pink Panther verkleideten Demonstranten in Paris verbreiten sich seit mehreren Tagen massiv auf den Sozialen Netzwerken und erzielen mehrere Millionen Aufrufe. "Pink Panther" flieht mal vor Wasserwerfern, zeigt Einsatzkräften den Mittelfinger oder wird festgenommen.
Dieses Bild wurde mit KI generiert oder bearbeitet.
In den Postings wurde die Person im Pink Panther-Kostüm als Ausdruck der Kreativität und des Humors der französischen Demonstrierenden gefeiert. So heißt es etwa "French protests are absolute cinema", was auf deutsch so viel heißt wie "Die französischen Proteste sind großes Kino". Tatsächlich wurden die Bilder jedoch mithilfe künstlicher Intelligenz generiert. Auch der SynthID-Detektor bestätigt, dass die Bilder mit KI erstellt oder bearbeitet wurden.
Mithilfe einer Bilderrückwärtssuche gelangt man auf einen Account, der am 8. Oktober unterschiedliche Fotos im Zusammenhang mit den Ausschreitungen in Frankreich mit dem Pink Panther-Kostüm postet, wie auch die französische Tageszeitung Libération CheckNews recherchierte. Dort sind die Fotos als KI-generiert gekennzeichnet und sollen für eine Bildgenerierungsplattform werben. Mittlerweile wurde das Profil gelöscht.
Als Vorlage für die Bilder dienten Bilder von Demonstrationen aus Kenia und Armenien. Das Bild des Panthers, der den Polizisten den Mittelfinger zeigt, basiert auf einer Reuters-Aufnahme von einer Demonstration im Juni 2015 in Eriwan, Armenien.
Dieses Bild wurde mit KI generiert oder bearbeitet.
Für das Bild des Panthers vor einem Wasserwerfer wurde ein Reuters-Foto von Protesten am 25. Juni 2025 in Nairobi, Kenia, verwendet. Diese wurde anschließend so verändert, dass sie wie eine Szene aus Paris wirkt - unter anderem durch Pariser Straßenschilder, eine französische Flagge und ein Emblem der französischen Bereitschaftspolizei CRS.
Bild von Männergruppe ist alt
Ein weiteres Bild, das im Zusammenhang mit den Protesten in Frankreich viel verbreitet wird, zeigt eine Gruppe von Männern mit dunklen Haaren, die überwiegend schwarz gekleidet ist.
Dieses Bild ist nicht aktuell.
Eine Bilderrückwärtssuche zeigt, dass dieses Bild bereits seit September 2022 im Netz kursiert. In dem dazugehörigen Artikel des isländischen Radiosenders Útvarp Saga geht es um das Abschneiden der schwedischen Partei "Partiet Nyans" bei der Parlamentswahl.
Polizisten laut Behörden nicht beim Plündern gefilmt
Ebenfalls viral ging ein Video, in dem angeblich zu sehen sein soll, wie Polizisten sich an der Plünderung eines Ladens in der französischen Stadt Limoges beteiligen. Zu sehen sind zwei Motorrad-Polizisten, die Gegenstände aus einem Laden mitnehmen. Allerdings handelte es sich dabei nach Angaben der französischen Nationalpolizei nicht um eine Plünderung. "Die Beamten handelten auf Anweisung eines Kriminalpolizisten, um die Gegenstände im Rahmen einer Ermittlung wegen einer auf frischer Tat begangenen Straftat zu sichern", schreibt die Nationalpolizei auf X. "Die Gegenstände wurden anschließend dem Geschäft zurückgegeben."
Und auch die zuständige Staatsanwaltschaft wies die Vorwürfe in einem Statement zurück: "Die beiden gefilmten Polizeibeamten handelten damals im Rahmen eines richterlichen Einsatzes und hatten vom Beamten der Kriminalpolizei den Befehl erhalten, die aus dem Schaufenster unmittelbar zugänglichen Gegenstände zu beschlagnahmen, um sie im Rahmen der wegen schweren Diebstahls eingeleiteten Ermittlungen zu verwerten." Die Gegenstände seien dem Geschäftsinhaber inzwischen zurückgegeben worden. "Gegen den oder die Urheber dieses Videos wird ein strafrechtliches Verfahren wegen verleumderischer Anzeige eingeleitet; diese Tat ist strafbar und wird mit einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren geahndet."
