Dieter Allenbacher arbeitet seit 36 Jahren in der Heizungsbranche, er ist außerdem Energieberater und Sachverständiger bei Gerichtsverfahren. "Derzeit bauen wir etwa 90 Prozent Wärmepumpen ein. Dann haben wir noch ein wenig Gas und Pellets. Öl ist praktisch tot", sagt der 59-Jährige, der eine Heizungsfirma in der Nähe von Kaiserslautern leitet. "Diese Zwischenbilanz für das laufende Jahr hat neben den gestiegenen Kosten für Öl und Gas auch mit der noch hohen staatlichen Förderung zu tun. Es gibt viele Mitnahme-Effekte."
Allenbachers Betrieb bietet jede Heizungsart an - Öl, Gas, Pellet, Wärmepumpe und auch Klimaanlagen. "Das ist eine sehr gute Technik. Sie eignet sich aber nicht für jedes Gebäude", sagt er über die Wärmepumpe. Die rechne sich oft für Neubauten oder Gebäude, die in den 1990er-Jahren gebaut worden seien. Gebe es dann noch eine Fußbodenheizung und eine PV-Anlage auf dem Dach, sei das ideal.
Verunsicherung in der Branche - trotz guter Zahlen
Bei allen anderen Häusern müsse genau nachgerechnet werden - Zustand der Fenster, Art der Dämmung und das Baujahr machten viele Einbaupläne unrentabel. Allenbacher warnt seine Kunden: "Kurzfristig wirken viele Förderungen verlockend. Langfristig bleiben dann aber die Eigentümer auf den hohen Folgekosten wie dem Abzahlen hoher Kredite sitzen. Dem Staat ist das egal. Der ist vor allem an guten Zahlen zur Wärmepumpe interessiert."
Auch Allenbacher hat die teils erbitterten Debatten um die Wärmepumpe verfolgt - und als Unternehmer zu spüren bekommen. "Auch wenn sich die Zahlen derzeit für uns Unternehmer rechnen, herrscht weiter viel Verunsicherung in der Branche. Ein Gesetz folgt auf das nächste. Teils sind die Vorschriften weltfremd und widersprüchlich", kritisiert der Firmenchef. "Wir brauchen klare, einfache und langfristig belastbare Regelungen."
Hitzige Debatte über das Gebäudeenergiegesetz
Wohl kaum ein Gesetz hat in den zurückliegenden Jahren für solch erbitterte Debatten gesorgt wie das Gebäudeenergiegesetz (GEG) vom damaligen grünen Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck - umgangssprachlich als "Heizungsgesetz" bezeichnet.
Im Frühjahr 2023 wurde ein erster Gesetzentwurf in der Öffentlichkeit bekannt. Über Monate hinweg stritten insbesondere die Koalitionspartner FDP und Grüne heftig über anfallende Kosten, technische Fragen und verbindliche Fristen. Die Diskussion entzweite die damalige Ampel-Koalition und sorgte für erheblichen Unmut und Verunsicherung in der Bevölkerung.
Im Herbst 2023 verabschiedete der Bundestag das stark veränderte Gesetz. Mittlerweile wurde es bereits durch das Gebäudemodernisierungsgesetz abgelöst - und die strengen Auflagen wurden teils wieder gelockert.
Berg- und Talfahrt am Markt
Auch bei den Verkaufszahlen von Heizungswärmepumpen gab es ein krasses Hin und Her. Auf ein Rekordjahr folgte der jähe Absturz. Nach Angaben des Hauptverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) wurden 2023 so viele Wärmepumpen verkauft wie noch nie zuvor - nämlich 356.000 Anlagen, was damals einem Zuwachs von 51 Prozent entsprach.
Im Folgejahr brach der Markt aber nahezu zusammen: Um 46 Prozent ging die Nachfrage zurück. Die kommunale Wärmeplanung kam nicht voran und der politische Streit zeigte bei den Kunden seine Wirkung. Neue Förderbedingungen der Förderbank KfW sorgten dann 2025 für ein kräftiges Plus von mehr als 50 Prozent.
Auch 2026 setzt sich dieser positive Trend fort. Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres gab es bereits einen Zuwachs von 40 Prozent. Aber: Das von der damaligen Bundesregierung ausgegebene Ziel von 500.000 neu installierten Wärmepumpen pro Jahr wurde nicht annähernd erreicht.
Forscher sieht große Mitnahmeeffekte
Manuel Frondel vom Essener Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) analysiert seit Jahren die Entwicklungen und Debatten rund um die Wärmepumpe. Beim RWI leitet er den Bereich Umwelt und Ressourcen. Frondel sieht vor allem den Staat als Haupttreiber für die zuletzt deutlich gestiegenen Zahlen. "Der starke Wärmepumpenausbau muss vor dem Hintergrund sehr hoher staatlicher Subventionen gesehen werden. Im Einzelfall werden mehr als 20.000 Euro pro Anlage gewährt. Da die Förderung ab 2027 schrittweise sinkt, besteht zudem ein erheblicher Anreiz, den Heizungstausch vorzuziehen."
Der Ökonom kritisiert, dass vor allem einkommensstärkere Haushalte bezuschusst würden, die wohl auch ohne Förderung einen Heizungstausch vorgenommen hätten. Frondel plädiert auch deshalb für eine grundsätzliche Wende in der Förderpolitik. "Ich halte eine dauerhafte Förderung in dieser Größenordnung für wirtschaftspolitisch nicht überzeugend und plädiere dafür, die pauschale Wärmepumpenförderung zügig zu beenden."
Um die Klimaziele trotzdem zu erreichen, ist Frondel auch für ein neues System bei der Begrenzung von CO2. Starre Vorgaben etwa für den Gebäudesektor brächten nichts. "Mittelfristig sollte es nur noch ein übergeordnetes Klimaziel geben: die Treibhausgasneutralität der Europäischen Union. Alle anderen nationalen und sektoralen Klimaziele sollten aufgegeben werden", so Frondel.
Und weiter: "Ab 2028 soll der zweite EU-Emissionshandel für den Gebäude- und Verkehrssektor starten. Damit können Treibhausgasemissionen europaweit dort reduziert werden, wo dies am kostengünstigsten möglich ist. Das muss nicht der Einbau einer teuren Wärmepumpe in einem deutschen Heizungskeller sein."
Die Heizung manchmal zu früh getauscht?
Heizungsbauer Allenbacher rechnet für den Rest des Jahres mit noch mehr Aufträgen für die Wärmepumpe, bevor 2027 die Förderung reduziert wird. Das führe teils zu Kurzschlussreaktionen, so der Heizungsbauer. "Ein Kunde möchte seine Gasheizung durch eine Wärmepumpe ersetzen - nach nur acht Jahren Betriebszeit. Nachhaltig ist das nicht, weder für die Umwelt noch für den Geldbeutel", so Allenbacher.
Zudem beklagt er, dass die Vorschriften und Auflagen in den vergangenen Jahren massiv zugenommen hätten. Die Bürokratie treibe die Preise zusätzlich. Künftig hofft Allenbacher auf mehr Eigenverantwortung und weniger politische Ideologie. "Insgesamt wünsche ich mir von der Politik mehr Vertrauen in den Markt, die Kunden und in uns Handwerker. Wir sind vor Ort und können mit den Kunden die beste individuelle Heizungsart auswählen. Die Wärmepumpe ist sicher Teil einer guten Lösung, aber kein Allheilmittel."
