FAQ
Leo XIV. hat Lungenkrebs Was über die Erkrankung des Papstes bekannt ist
Stand: 14.10.2026 • 10:28 Uhr
Am Dienstag hatte Papst Leo XIV. sich operieren lassen. Nun steht fest: Das Oberhaupt der Katholischen Kirche hat Lungenkrebs. Wie läuft die Behandlung dieser Erkrankung ab? Und wie gefährlich ist sie? Ein Überblick.
Wie wurde die Erkrankung festgestellt?
Papst Leo XIV. hatte am Sonntag überraschend bekannt gegeben, dass bei einer Kontrolluntersuchung in seiner Lunge ein Knoten entdeckt worden sei, noch in einem "sehr frühen Stadium". Bis dahin waren keinerlei gesundheitlichen Probleme des Papstes bekannt.
Auf Anraten der Ärzte habe er sich zu einer Operation entschlossen. Nur zwei Tage später erfolgte der Eingriff im Gemelli-Krankenhaus in Rom.
Dem 71-Jährigen sei am Dienstagnachmittag vorsorglich der untere Lappen des rechten Lungenflügels entfernt worden, teilte der Vatikan am späten Abend mit. Der dabei entfernte Lungenknoten war nach Angaben des Vatikan bösartig. Es sei ein Adenokarzinom diagnostiziert worden.
Was ist ein Adenokarzinom der Lunge?
Ein Lungenadenokarzinom ist ein primär in der Lunge entstandener Tumor, wie die Ärztin Juanita Mora, Sprecherin des Amerikanischen Lungenverbands ALA, erklärt. Der Tumor ist bei Papst Leo XIV. also der Ausgangspunkt der Krebserkrankung, es handelt sich nicht um Metastasen eines anderen Tumors.
Lungenkrebs wird in zwei Hauptgruppen unterteilt: die sogenannten nicht-kleinzelligen Karzinome, die häufigste Art von Lungenkrebs, und die kleinzelligen Karzinome, die deutlich aggressiver sind und nach Angaben der Amerikanischen Krebsgesellschaft etwa zehn bis 15 Prozent der Lungenkrebserkrankungen ausmachen. Das Lungenadenokarzinom gehört zur ersten Gruppe und ist die häufigste Form von Lungenkrebs, wie der US-Onkologe David Spigel erklärte, der am Sarah Cannon Research Institute in Nashville zu Lungenkrebs forscht.
Obwohl Rauchen mit Abstand der wichtigste Risikofaktor für Lungenkrebs ist, "betrifft die Mehrzahl der heute diagnostizierten Lungenkrebserkrankungen Menschen, die niemals geraucht oder vor vielen Jahren aufgehört haben", sagt David Carbone von der Ohio State University.
Was sind die nächsten Schritte für den Papst?
Die rund 90-minütige Operation sei erfolgreich und ohne Komplikationen verlaufen, wie der Vatikan mitteilte. Der Papst sei normal aus der Narkose erwacht und erhole sich nun in seinem Krankenzimmer.
Als nächstes muss geklärt werden, ob er nach der OP noch zusätzliche Behandlungen wie eine Chemo- oder Strahlentherapie erhalten muss. Das hängt laut Spezialisten von mehreren Faktoren ab: der Größe des entfernten Tumors, seiner Aggressivität, seinen genetischen Eigenschaften und davon, ob er sich schon ausgebreitet hat oder nicht. Nach Angaben aus Vatikankreisen laufen bereits weitere Untersuchungen.
Ein wichtiges Werkzeug für eine Ganzkörper-Suche nach Metastasen sei das sogenannte PET-CT - dieses Bildgebungsverfahren stehe beim Papst nun an oder sei bereits durchgeführt worden, sagt Jürgen Behr vom Lehrstuhl für Klinische Pneumologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU).
Zu möglichen Ergebnissen wurde bislang nichts bekannt. Zentral sei nun, was die Analyse der molekularen Signatur des Tumors ergebe. Diese können in ein bis drei Tagen vorliegen.
Wie sind die Heilungschancen bei Lungenkrebs?
Allgemein gesprochen ist eine vollständige Genesung bei Lungenkrebs möglich. Die Prognose hängt stark von der genauen Krebsart und vom Stadium des Tumors zum Zeitpunkt der Diagnose ab. Laut Onkologe Carbone haben sich die Behandlungsmöglichkeiten bei Lungenkrebs in den vergangenen Jahrzehnten generell deutlich verbessert.
Wenn eine Behandlung in einem frühen Stadium beginnt und der Tumor bei einem chirurgischen Eingriff vollständig entfernt wird, liege die sogenannte Fünf-Jahres-Überlebensrate laut US-Expertin Mora bei "80 bis 98 Prozent". Ein Patient gelte dann als geheilt, so Onkologe Spigel.
Sollte bei einem Lungenkrebs eine Metastase gefunden werden, sind Behr zufolge weitere Behandlungsoptionen denkbar. Bei mehreren aber sei eine Heilung sehr unwahrscheinlich und es gehe oft nur noch darum, das Leben so gut wie möglich zu verlängern, das Tumorwachstum zu bremsen und Beschwerden zu lindern. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation ist Lungenkrebs weltweit die häufigste krebsbedingte Todesursache.
Die Lungenfunktion sei nach einer Entfernung des Lungenlappens nicht zwangsläufig beeinträchtigt, erklärt Behr von der LMU. Der Verlust gehe mit etwa zehn bis 20 Prozent Leistungsverlust der Lunge einher, was im Alltag oft nicht großartig auffalle.
Was bedeutet das für den Papst?
Im besten Fall sei der Papst nach der OP bereits geheilt und es stehe nur noch etwas Nachsorge an, so Behr.
Allerdings gab es bislang keine Angaben dazu, wie groß der gefundene Tumor war, ob es eventuell weitere Knoten in dem Lungenlappen gab und ob bereits Lymphknoten oder andere Organe befallen sind. Alle drei Befunde würden mit schlechteren Aussichten einhergehen, erklärte Behr.
Für US-Onkologe Carbone ist die Tatsache, dass der Papst direkt operiert wurde, eine gute Nachricht: Wenn festgestellt worden wäre, dass sich der Krebs "zum Beispiel auf die in der Mitte des Brustkorbs gelegenen Lymphknoten ausgebreitet hätte, hätte er vor der Operation eine Behandlung bekommen, was nicht der Fall war", erläutert Carbone. "Das deutet darauf hin, dass es sich um einen Tumor in einem sehr frühen Stadium gehandelt hat, mit einer ziemlich guten Prognose."
