Indien (Ahmedabad)
Für das Internationale Olympische Komitee (IOC) ist Indien ein schlafender Riese mit enormem Wachstumspotenzial. Das mit 1,5 Milliarden Einwohnern bevölkerungsreichste Land der Welt spielt im internationalen Sportgeschehen nur selten eine wichtige Rolle, aber jetzt will Indien eine Sport-Supermacht werden. Die Olympiabewerbung ist ein zentrales Werkzeug dafür, unterstützt durch die Regierung und auch durch die superreiche Ambani-Familie.
Haupt-Austragungsort soll die Millionenstadt Ahmedabad im westlichen Bundesstaat Gujarat sein, Gastgeber der Commonwealth-Spiele 2030. Dort steht das größte Stadion der Welt, das hauptsächlich für Cricket genutzte Narendra Modri Stadium mit Platz für 132.000 Zuschauer. Zwar müsste noch viel gebaut werden, was das IOC eigentlich nicht mehr sehen möchte, aber im Sportentwicklungsland Indien wären Investitionsmaßnahmen bequem zu rechtfertigen.
Allerdings hat Indien keine Erfahrungen mit Sportevents in dieser Größe und bis 2036 könnte die Zeit zu knapp werden, alle Probleme zu lösen. Auch wiederholte Konflikte innerhalb des Nationalen Olympischen Komitees sind ein Unsicherheitsfaktor.
Lusail Stadium
Katar (Doha)
Finanziell wären Spiele in Katar für das IOC eine sichere Bank. Die zahlreichen Menschenrechtsverstöße waren bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 noch ein großes Thema, dürften für das IOC aber kein großes Gegenargument sein.
Katar erhielt Lob für die Ausrichtung der WM und verfügt nun über Stadien, die auf ein nächstes Großereignis warten - zum Beispiel das Lusail-Stadion nördlich von Doha, wo Lionel Messi den WM-Pokal in den Himmel reckte. Sportpolitischer Einfluss ist gegeben, der Emir von Katar, Scheich Tamim Bin Hamad Al Thani, ist selbst seit 2002 IOC-Mitglied.
Das Wüstenklima würde wohl eine Austragung in den Wintermonaten erfordern. Das aktuell größte Problem ist der Krieg am Persischen Golf, der auch die Austragung von Sportevents in der Region behindert. Derzeit wäre es für das IOC ein Wagnis, die Spiele nach Katar zu vergeben.
Jeonju World Cup Stadium
Südkorea (Provinz Jeonbuk-do)
Die Region Jeonbuk hatte sich mit seinem Konzept intern gegen die Konkurrenz aus Seoul durchgesetzt. Mittlerweile wachsen aber die Zweifel, ob die Region den Anforderungen gewachsen ist. Deshalb setzt Jeonbuk jetzt auf größere Hilfe aus, genau, Seoul.
Die Hauptstadt war bereits 1988 Ausrichter der Sommerspiele. Wie genau das Zusammenspiel mit Jeonbuk nun aussehen soll, ist noch unklar. Ein Konzept der kurzen Wege mit einem zentralen, großen Athletendorf scheint kaum möglich, Seoul liegt 200 Kilometer weiter nördlich.
Zudem hat das koreanische Olympische Komitee offenbar Zweifel. Laut einem oppositionellen Abgeordneten hat es dem Sportministerium signalisiert, dass Südkorea keine angemessene Vorbereitung gewährleisten kann, wenn es bereits 2036 Olympische Spiele ausrichten soll.
Blick auf das Atatürk-Olympiastadion
Türkei (Istanbul)
Das beste Argument der Istanbuler Bewerbung ist die einzigartige Lage, die Spiele würden sowohl in Asien als auch in Europa stattfinden. Allerdings reicht das alleine nicht, das IOC zu überzeugen. Mehrfach schon ist die türkische Metropole mit Olympiabewerbungen durchgefallen.
Dieses Mal soll es klappen mit einem bescheideneren Konzept, passend zum Wunsch des IOC, auf bestehende oder temporäre Sportstätten zu setzen. Die European Games 2027 sind eine Art Generalprobe.
Ein weiteres Plus war die Unterstützung aus der Politik - doch das änderte sich im Frühjahr 2025 schlagartig. Der damalige Istanbuler Bürgermeister Ekrem Imamoglu wurde inhaftiert, viele sehen darin eine politisch motivierte Aktion. Imamoglu ist nicht nur Verfechter der Olympiapläne, sondern auch ein Widersacher von Präsident Recep Tayyib Erdogan.
Die Dachorganisation der weltweiten Sportverbände, SportAccord, sagte ihr für Juni 2025 in Istanbul geplantes Treffen wegen der politischen Lage ab. Für weitere Unsicherheit sorgt die wirtschaftliche Lage mit einer seit Jahren hohen Inflationsrate.
Die Puskas-Arena in Budapest könnte Olympia-Stätte werden
Ungarn (Budapest)
Auch für Budapest ist es nicht der erste Anlauf, Olympische Spiele auszurichten. 2017 ist die Bewerbung für 2024 jedoch zurückgezogen worden, nachdem die Gegenbewegung "Momentum" erreicht hatte, dass die Bürger abstimmen dürfen über die Pläne.
Auch dieses Mal soll es ein Referendum geben, das hat Ende 2024 der Oberste Gerichtshof entschieden. Umfragen deuten darauf hin, dass die Skepsis angesichts der zu erwartenden Kosten überwiegen könnte. Ein Termin für ein Referendum steht noch nicht fest.
Auch die Abwahl des ehemaligen Ministerpräsidenten Viktor Orbán könnte Einfluss haben. Für seinen Nachfolger Péter Magyar hat Olympia keine Priorität.
Das WM-Stadion in Kapstadt, Greenpoint Stadion
Südafrika (Kapstadt/Durban/Johannesburg)
Olympische Spiele in Afrika gab es noch nie und IOC-Präsidentin Kirsty Coventry aus Zimbabwe dürfte es ein Anliegen sein, dies zu ändern. Ende Oktober ist Senegals Hauptstadt Dakar Gastgeber der olympischen Jugendspiele.
Südafrika setzt bei seiner Bewerbung auf die Stadien, die von der Fußball-WM 2010 geblieben sind. Im Gespräch ist ein gemeinsames Projekt von Kapstadt, Johannesburg und Durban. So richtig fest ist allerdings noch nichts und die enormen Entfernungen zwischen den drei Städten widersprechen dem IOC-Wunsch nach kompakten Spielen.
Olympia 2036 dürfte noch zu früh kommen, zumal es interne Probleme gibt. Mitte September hat der Vorstand des südafrikanischen Sportverbandes (SASCOC) seinen Präsidenten Barry Hendricks suspendiert nach anonymen Vorwürfen, Barry habe gegen die Schutzrichtlinien und den Verhaltenskodex des Verbandes verstoßen.
