Vor Bulgariens Küste Drohnenangriffe im Auftrag Russlands?
Stand: 13.10.2026 • 19:34 Uhr
Es ist der zweite Vorfall innerhalb einer Woche: Wieder wurden Schiffe vor Bulgariens Küste von Drohnen attackiert. Die Regierung bestellte die russische Botschafterin ein. Experten sehen eine konkrete Gefahr für Europas Sicherheit.
Aufnahmen der bulgarischen Marine in der vergangenen Nacht zeigen ein Schiff in Seenot. Am Heck klafft ein riesiges Loch. Die See ist stürmisch. Später, im Hafen der bulgarischen Küstenstadt Varna, drängen sich Journalisten um einen Seemann. "Eine Drohne hat dreimal angegriffen, eine russische Drohne", gibt der Mann zu Protokoll. Er ist einer der Überlebenden eines neuerlichen Angriffs auf zwei Schiffe vor der bulgarischen Küste.
Eines davon ist die Chelsea 3. Sie fährt unter maltesischer Flagge, ist aber in ukrainischem Besitz. Von der Chelsea 3 konnte die gesamte Besatzung gerettet werden - 15 Seeleute. So schilderte es am Morgen Jubomir Nikolov, Generalsekretär des Innenministeriums. "Bei äußerst rauer See und unter Einsatz ihres eigenen Lebens trafen Beamte der Grenzpolizei unverzüglich am Ort des Schiffs ein, das höchstwahrscheinlich von drei Drohnen getroffen worden war, und retteten 15 Seeleute", erklärte Nikolov.
Keine direkte Beschuldigung Russlands
Ein zweites attackiertes Schiff allerdings sank. Elf Besatzungsmitglieder werden noch vermisst, fünf konnten gerettet werden. Ob es sich wirklich um russische Drohnen gehandelt hat, die angegriffen haben, ist bisher nicht bewiesen. Bulgariens Ministerpräsident Rumen Radew beschuldigte Russland nicht direkt: "Wir haben keine eindeutigen Beweise, um eine Partei zu beschuldigen. Die Logik liegt jedoch nahe, dass das Ergebnis der russischen Föderation nutzt."
Radew bestellte deshalb die russische Botschafterin ein. Er betonte, dass die Angriffe auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer eine erhebliche Eskalation darstellten. Bereits in der vergangenen Woche waren zwei Schiffe vor der bulgarischen Küste attackiert worden. Eines sank ebenfalls samt Besatzung. "Das ist absolut inakzeptabel, ein weiterer Angriff in unmittelbarer Nähe der bulgarischen Hoheitsgewässer." Der ständige Vertreter Bulgariens bei der NATO und der ständige Vertreter Bulgariens bei der Europäischen Union seien informiert worden. Er selbst werde in Kürze mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte sprechen, so Radew weiter.
Angriff auf Europas "Wirtschaft und Gesellschaften"
Moritz Brake, Experte für maritime Sicherheit, sieht in den Angriffen der letzten Wochen eine sehr konkrete Gefahr für Europas Sicherheit.
Also es geht hier einerseits um Angriffe auf Handelsschiffe, das heißt Menschen sind betroffen, Menschen haben schon ihr Leben verloren. Aber das sind Handelsschiffe, von denen wir alle abhängen. Über 90 Prozent des weltweiten Handels geht über das Meer. Der Großteil der europäischen Energieversorgung und unsere gesamte Industrie und Wirtschaft hängt an Seewegen. Das heißt also, wenn man das angreift, dann greift man das Fundament unserer Wirtschaft, unserer Gesellschaften an.
Moritz Brake, Experte für maritime Sicherheit
Gerade für die europäischen Anrainerstaaten Rumänien und Bulgarien könnte eine unsichere Versorgung über das Schwarze Meer schnell zur Krise werden. Auch über diesen Seeweg werden Öl und Gas transportiert. Zwar sind die Mengen eher klein, für Rumänien und Bulgarien aber könnten sie schnell kritisch relevant werden, so der Sicherheitsexperte.
