Ermittlungen Neue Details im Bundeswehr-Skandal: Pistorius will "widerwärtige" Vorwürfe aufklären
Stand: 15.10.2026 • 18:59 Uhr
Die Bundeswehr ermittelt gegen Soldaten des Sanitätsregiments 1 in Weißenfels. Im Raum stehen Vorwürfe zu Drogenmissbrauch und sexuellen Übergriffen. Medienberichte zeigen dazu neue Details. Verteidigungsminister Boris Pistorius kündigte bereits eine umfassende Aufklärung an.
Von MDR SACHSEN-ANHALT
Nach Vorwürfen zu möglichem Fehlverhalten von Soldaten beim Sanitätsregiment 1 in Weißenfels (Burgenlandkreis) sind neue Details bekannt geworden. Das "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (RND) und der "Spiegel" berichten, dass es in der Kaserne frauenverachtende Praktiken gegeben haben soll.
Berichte: Soldatinnen bedrängt und intim berührt – eine minderjährige Betroffene
Demnach soll es unter männlichen Rekruten eine Art Wettbewerb gegeben haben, mit möglichst vielen Rekrutinnen Sex zu haben. Laut RND sollen die Beschuldigten Soldatinnen bedrängt und intim berührt haben. Mindestens eine Frau soll zum Tatzeitpunkt minderjährig gewesen sein. Dem Bericht zufolge gab es Durchsuchungen und Vernehmungen. Insgesamt geht es demnach um zehn Beschuldigte.
Pistorius verspricht Aufklärung der Vorwürfe gegen Bundeswehr-Soldaten
Verteidigungsminister Boris Pistorius versprach bereits am Mittwoch Aufklärung. "Bislang handelt es sich um Vorwürfe. Wenn die sich bestätigen, wäre das widerwärtig", sagte der SPD-Politiker am Rande eines Besuchs auf Kreta. "Wir werden alles tun, um jeden Täter dingfest zu machen und seiner gerechten Strafe zuzuführen und gleichzeitig die Betroffenen besser zu schützen."
Es seien umfassende Maßnahmen eingeleitet worden, um die Vorgänge lückenlos aufzuklären, hatte das Verteidigungsministerium bereits zuvor mitgeteilt.
Verdacht auf Drogenmissbrauch und sexuelles Fehlverhalten in Weißenfels
Zuerst hatte das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet, dass wegen des Verdachts auf Drogenmissbrauch und wegen möglichen sexuellen Fehlverhaltens ermittelt werde. Ein Vorgesetzter solle unter Ausnutzung der Hierarchie intime Kontakte zu einer Rekrutin unterhalten haben.
Verteidigungsministerium kündigt Null-Toleranz-Politik an
Das Verteidigungsministerium betonte, die Vorwürfe sehr ernst zu nehmen und bei Fehlverhalten eine Null-Toleranz-Politik zu verfolgen. Die Bundeswehr verspricht Maßnahmen gegen sexuellen Missbrauch, etwa durch ein Interventionszentrum mit speziell geschulten Psychologen und der Sensibilisierung von Vorgesetzten.
Pistorius räumte ein, dass es in der Bundeswehr immer wieder zu Verstößen komme. Entscheidend sei, diese konsequent zu ahnden und auch diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die Vorfälle verschweigen oder nicht melden.
Ende vergangenen Jahres waren zahlreiche Vorfälle um sexualisiertes Fehlverhalten, Drogen und Extremismus bei Fallschirmjägern im rheinland-pfälzischen Zweibrücken bekanntgeworden. Es wurden Ermittlungen gegen 59 Beschuldigte eingeleitet und bis zum Frühjahr 21 Entlassungen beantragt.
Die Bundeswehr in Sachsen-Anhalt
MDR (Mario Köhne, Oliver Leiste, Steffen Lipsch, Marc Weyrich, Maren Wilczek), dpa | Erstmals veröffentlicht am 13.10.2026
