Trotz Trumps Drohungen Selenskyj setzt Angriffe auf russische Raffinerien fort
Stand: 11.10.2026 • 16:22 Uhr
Nach Trumps Drohungen gegen den ukrainischen Präsidenten hat Selenskyj nun reagiert - und angekündigt, die Angriffe auf russische Ölraffinerien fortzusetzen. Ein Ende sei nur möglich, wenn auch Russland seine Attacken einstelle.
US-Präsident Donald Trump macht einen umstrittenen Dieseldeal mit Russland, fordert den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zum Rücktritt auf und verlangt, dass die Ukraine ihre Angriffe auf russische Raffinerien einstellt. Nach den jüngsten Ereignissen dieses Wochenende sind die Beziehungen zwischen den USA und der Ukraine auf einem neuen Tiefpunkt angelangt.
Die Ukraine kündigte nun ihrerseits an, die Angriffe auf russische Ölraffinerien fortsetzen, ungeachtet des Drucks vonseiten Washingtons. Russland sei allein für den Krieg verantwortlich, erklärte Selenskyj.
Selenskyj: "Deeskalation muss auf Gegenseitigkeit beruhen"
"Die Ukraine wäre bereit, die Angriffe auf russische Ölraffinerien einzustellen, wenn Russland aufhört, unsere Energieinfrastruktur anzugreifen", schrieb Selenskyj auf der Plattform X. Die Angriffe auf die Energieinfrastruktur könnten umgehend beendet werden, aber Putin wolle das nicht. Jede Deeskalation müsse auf Gegenseitigkeit beruhen und durch echte Garantien untermauert werden.
Auch der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha widersprach Trump und schrieb auf X, Selenskyj genieße die Unterstützung des ukrainischen Volkes und dieses habe das Recht, selbst zu entscheiden. "Äußerungen aus dem Ausland bestätigen nur, dass er seine Arbeit gut macht."
Trump hatte am Samstag gesagt, es sei an der Zeit, dass die Ukraine einen neuen Präsidenten bekomme. Er deutete an, dass Selenskyj nicht genug getan habe, um den Krieg zu beenden, und machte ihn für die hohen Dieselpreise in den USA verantwortlich.
Begonnen wurde der Krieg aber nicht von der Ukraine, sondern von Russland, das vor mehr als viereinhalb Jahren in das Nachbarland einmarschiert war. Kremlchef Wladimir Putin hat mehrfach Angebote für einen bedingungslosen Waffenstillstand abgelehnt. Auch spätere diplomatische Initiativen verliefen im Sande.
Diesel-Preis setzt Trump unter Druck
Zudem hatte Trump die Ukraine in den vergangenen Wochen mehrfach für eine weltweite Dieselknappheit verantwortlich gemacht. Allerdings waren die Treibstoffpreise aufgrund des Kriegs der USA gegen den Iran massiv in die Höhe geschnellt.
Der stark gestiegene Dieselpreis hat sich für Trumps Republikanische Partei im Vorfeld der im November anstehenden Zwischenwahlen zu einer politischen Belastung entwickelt, was sich auch am eingetrübten Verbrauchervertrauen ablesen lässt. Die oppositionellen Demokraten könnten davon profitieren und bei den Wahlen womöglich die Kontrolle über eines oder beide Häuser des Kongresses erlangen.
Vor diesem Hintergrund sehen manche Beobachterinnen und Beobachter das von Trump angekündigte Abkommen über Diesellieferungen aus Russland als taktisches Manöver. US-Finanzminister Scott Bessent verteidigte die umstrittene Vereinbarung mit Russland: "Es ist gut für die Amerikaner, die Dieselpreise zu senken", sagte er dem Sender Fox News.
Für Moskau ein weiterer Schritt zurück auf die Weltbühne
Analysten zufolge dürfte Trumps Deal mit Moskau allerdings kaum zu dauerhaft niedrigeren Kraftstoffpreisen führen. Denn die Liefermengen dürften weit unter dem Niveau liegen, das Russland üblicherweise exportiert, wenn seine Raffinerien nicht angegriffen werden.
Der größte Gewinner des Diesel-Abkommens ist Russland. Seit Monaten bemüht sich Putin, den von den USA gemeinsam mit Israel begonnenen Iran-Krieg für seine Zwecke zu nutzen und hat sich mehrfach als Vermittler ins Spiel gebracht. Zudem nutzte er die aus dem Krieg erwachsenen Preissprünge beim Diesel um eine Lockerung der Sanktionen gegen Russland zu erwirken.
Nun bringt der Deal das Regime wieder ein Stück weiter auf die Weltbühne - wie schon das Treffen von Trump und Putin in Anchorage im vergangenen Jahr oder zuletzt die Einladung Trump zum G20-Gipfel in den USA.
