Stand: 13.10.2026 • 20:30 Uhr
Die Sondierungsgespräche in Berlin sind unterbrochen. Die Linkspartei hatte bei ihrer konstitutierenden Sitzung alle Abgeordneten eine Erklärung unter anderem zum Existenzrecht Israels unterschreiben lassen. Laut SPD und Grünen fußt diese aber nicht auf einem mit ihnen vereinbarten Papier.
- Berliner Linksfraktion konstituiert sich und nimmt auch umstrittene Abgeordnete Emde auf
- Grüne und SPD unterbrechen Sondierungsgespräche
- Fraktionschef Schulze zeigt sich davon im rbb "überrascht"
Grüne und SPD in Berlin haben die Sondierungsgespräche mit der Linkspartei über die Bildung einer gemeinsamen Regierung am Dienstag unterbrochen. Grund ist ein Beschluss der Linksfraktion bei ihrer konstituierenden Sitzung am Nachmittag. Dort hatten alle Linken-Abgeordneten eine Erklärung unterschrieben, in der unter anderem ein Bekenntnis zum Existenzrecht Israels abgegeben wird. Als Grundlage der Vereinbarung werden ausdrücklich linke Parteitagsbeschlüsse genannt, nicht das gemeinsame rot-grün-rote Papier zum Umgang mit Antisemitismus, das die Spitzen von Linken, Grünen und SPD in der vergangenen Woche beschlossen hatten und das innerhalb der Linken heftig kritisiert wird. "Wir haben zur Kenntnis genommen, dass die Linke in ihrer Fraktion zu anderen Verabredungen gekommen ist", hieß es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von SPD und Grünen. "Das bedeutet, dass wir an dieser Stelle die Sondierungen unterbrechen müssen, um zu bewerten, ob unsere Vereinbarung von vergangener Woche noch gilt." Weiter hieß es: "Wir erwarten, dass die Linke uns deutlich macht, inwiefern sie unsere getroffenen Vereinbarungen erstnehmen und umsetzen wollen." Unklar blieb zunächst, wie kritisch die Lage ist, ob die Sondierungen kurz vor dem Scheitern stehen. Interviewanfragen des rbb lehnten Grüne und SPD ab.
Linke überrascht von Unterbrechung
Die Linke in Berlin reagierte überrascht auf die Entscheidung von Grünen und SPD. "Aus unserer Sicht gilt die Vereinbarung von letzter Woche", sagte Co-Fraktionschef Tobias Schulze in der rbb24 Abendschau. Bei ihrer konstituierenden Sitzung im Berliner Abgeordnetenhaus habe sich die neue Linke-Fraktion ausdrücklich zum Kampf gegen Antisemitismus, zum Schutz jüdischen Lebens und zum Existenzrecht Israels bekannt. Die Erklärung sei zum Teil wortgleich mit der Vereinbarung, die alle drei Parteien vergangene Woche getroffen hätten. "Ich finde, wir sollten daran arbeiten, das auch umzusetzen. Warum jetzt dieser Schritt kommt, zu sagen, wir wären abgewichen von Vereinbarungen, kann ich nicht nachvollziehen", sagte Schulze in der Sendung.
Umstrittene Abgeordnete Emde Teil der Fraktion
Die Berliner Linke hatte zuvor die umstrittene Neuköllner Abgeordnete Vanessa Emde in ihre neue Abgeordnetenhausfraktion aufgenommen. Das teilten die Fraktionschefs Elif Eralp und Tobias Schulze nach längerer interner Debatte am Dienstagabend mit. Wie alle anderen anwesenden Abgeordneten hatte zuvor auch Emde die Erklärung unterschrieben, in der sie sich zum Existenzrecht Israels und zum Kampf gegen Antisemitismus bekannte. Co-Fraktionschef Schulze sagte, er gehe davon aus, dass sich Emde auch an diese Erklärung halte.
Vanessa Emde war im Wahlkampf heftig kritisiert worden. Sie war in der Vergangenheit immer wieder mit Aussagen aufgefallen, die ihr von Kritikern als antisemitisch ausgelegt wurden, was Emde vehement bestreitet. Am vergangenen Samstag nahm sie ebenfalls an der "United4Palestine"-Demo teil – genauso wie der Hamas-Unterstützer Ibrahim Ibrahim, mit dem sich Emde auch auf der Neuköllner Wahlparty am 20. September fotografieren ließ.
Sendung: rbb24 Abendschau, 13.10.2026, 19:30 Uhr Video: rbb24 Abendschau, 11.10.2026, Leonie Schwarzer
