Was hat sich diese Woche rund um Blockchain und Kryptowährungen getan? Die relevantesten lokalen und internationalen Geschehnisse sowie ansprechende Hintergrundberichte pointiert und kompakt im Wochenrückblick.
Selektierte Artikel der Woche:
Der Indexanbieter MSCI hat neue Regeln für Firmen ohne nennenswertes operatives Geschäft beschlossen. Strategy und Metaplanet, die beide grosse Bitcoin-Bestände halten, könnten deshalb aus den globalen Aktienindizes fallen. Das wiegt schwer, denn passive Fonds mit Milliardenvermögen bilden diese Indizes nach und verkaufen gestrichene Aktien automatisch. Die Prüfung läuft in zwei Stufen. Zuerst zählt, ob operative Vermögenswerte mehr als die Hälfte der Bilanz ausmachen. Fällt eine Firma durch, misst MSCI sie zusätzlich an fünf Finanzkennzahlen. Bereits gelistete Firmen streicht MSCI allerdings erst, wenn sie in beiden der letzten zwei Jahresabschlüsse durchfallen. Welche Firmen herausfallen, gibt MSCI im November bekannt, wirksam wird der Entscheid ab Dezember. Nach Schätzung von Strategy halten MSCI-verknüpfte Fonds rund 3.1% der Aktien. Bitcoin müsste das Unternehmen bei einem Ausschluss zwar nicht verkaufen. Eine schwächere Nachfrage nach der Aktie würde jedoch die Finanzierung weiterer Bitcoin-Käufe erschweren. Strategy kritisiert die Regel als diskriminierend gegenüber Firmen mit Krypto-Reserven.
Türkische Medien melden Festnahme von HEX-Gründer Richard Heart
Die Behörden in Istanbul sollen Richard Heart festgenommen haben, den Gründer der umstrittenen Krypto-Projekte HEX und PulseChain. Das melden türkische Medien. Laut den Berichten stellten die Beamten zudem Waffen, Dutzende Luxusuhren und Bargeld sicher. Grundlage ist eine Fahndung von Interpol, die Finnland im Dezember 2024 beantragt hatte. Dort ermittelt die Polizei wegen mutmasslicher Steuerhinterziehung, laut der EU-Polizeibehörde Europol im Umfang von hunderten Millionen Euro. Zudem werfen ihm die Ermittler Körperverletzung an einer 16-jährigen Person vor. Einzelne Berichte begründen die Festnahme mit Kryptobetrug, obwohl Finnland diesen Vorwurf nicht erhebt. Die Interpol-Fahndung ist jedoch kein internationaler Haftbefehl. Sie bittet Behörden lediglich, eine Person zu finden und vorläufig festzunehmen. Über eine Auslieferung entscheidet deshalb die Türkei selbst, ein Antrag Finnlands ist bisher nicht öffentlich bekannt. Bis zu einem Urteil gilt für Heart die Unschuldsvermutung.
RippleX schliesst zehn Jahre alte XRP-Lücke im Stillen
RippleX, die Entwicklungseinheit von Ripple, hat im XRP Ledger einen Fehler behoben, der vermutlich seit 2015 im Code steckte. Das XRP Ledger ist die Blockchain hinter der Kryptowährung XRP. Beim Abgleich von Zahlungen mit Angeboten addierte die Software Beträge, ohne auf einen Überlauf zu prüfen. Bei sehr grossen Summen sprang der Wert deshalb auf eine kleine Zahl zurück. Die Anbieter hätten den vollen Betrag erhalten, der Käufer dagegen nur die kleine Summe bezahlt. Folglich wäre die Differenz als neues XRP entstanden, laut dem Melder rund 18 Billionen mit einer Transaktion. Das wäre für die Kryptowährung verheerend gewesen. Hinweise auf eine Ausnutzung gibt es jedoch keine. Regeländerungen brauchen sonst über zwei Wochen die Zustimmung der Validatoren, die das Netzwerk betreiben. Die Korrektur griff hingegen sofort mit jedem Server-Update. Den Quellcode veröffentlichte RippleX zudem erst rund zwei Wochen später, damit Angreifer die Lücke nicht vorzeitig finden.
Kraken holt sich mit der Saldo Bank eine EU-Banklizenz
Payward, die Muttergesellschaft der US-Kryptobörse Kraken, kauft die litauische Saldo Bank. Laut Financial Times wäre Payward damit die erste Krypto-Firma, die in Europa eine Bank übernimmt. Die Saldo Bank ist zwar klein, ihre Bilanzsumme lag Ende 2025 bei 163.9 Mio. EUR. Entscheidend ist jedoch die Banklizenz, die Payward in der EU bisher fehlt. Kraken arbeitet dort heute mit einer Lizenz als E-Geld-Institut, das keine Einlagen annehmen darf. Eine Bank darf das hingegen. Zudem reicht ihre Zulassung in einem EU-Land, um ohne weitere Genehmigung auch in anderen Mitgliedstaaten tätig zu sein. Nach dem Abschluss will Payward in Europa Zinsen auf Einlagen, Kredite und Karten anbieten. Kunden sollen dabei gegen ihre Vermögenswerte Kredit aufnehmen können, statt sie zu verkaufen. Einen Kaufpreis nannte Payward allerdings nicht. Zudem müssen die Behörden noch zustimmen, den Abschluss erwartet Payward für 2027.
Nach den US-Zwischenwahlen drohen Krypto-Firmen Vorladungen
Ausserdem: Im November wählen die USA das gesamte Repräsentantenhaus und einen Teil des Senats neu. Umfragen sehen die oppositionellen Demokraten im Repräsentantenhaus als Favoriten und im Senat leicht vorn. Wer eine Kammer gewinnt, besetzt dort die Ausschussvorsitze und darf Zeugen vorladen. Die Lockerung der Regeln für Banken und Krypto-Firmen unter Präsident Donald Trump könnten die Demokraten damit kaum stoppen. Denn diese läuft über Entscheide der Behörden, und neue Gesetze scheitern am Veto des Präsidenten. Der Druck liefe deshalb über Anhörungen, zu denen Behördenchefs und Firmenchefs erscheinen müssten. Laut Juristen schaden dabei negative Schlagzeilen mehr als die Kosten für Anwälte. Medienberichten zufolge planen Demokraten zudem Untersuchungen zu den Krypto-Verbindungen der Familie Trump.
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