Johannes Winkel redet nicht lange um den heißen Brei herum. "Die Union ist in einer sehr ernsten Lage, und das Land generell ist auch in einer sehr ernsten Lage, und deswegen ist der Zustand natürlich gerade kritisch, so ehrlich muss man sein."
Die Liste der Probleme ist lang. Wahlschlappen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Dort flog die CDU sogar erstmals aus einem Landtag. In bundesweiten Umfragen liegt die Union deutlich hinter der AfD. Die Zustimmungswerte für Kanzler Friedrich Merz und seine schwarz-rote Regierung sind miserabel.
Der Dauerzwist in der Koalition mit der SPD hat nach dem Rücktritt von Arbeitsministerin Bärbel Bas und gegenseitigen Vorwürfen einen neuen Tiefpunkt erreicht. Keine gute Ausgangslage für den "Deutschlandtag", das alljährliche Treffen des Parteinachwuchses, oder gerade doch?
Winkel ist seit 2022 Bundesvorsitzender der Jungen Union.
"Wir trauen uns das zu"
JU-Chef Winkel tritt überaus selbstbewusst auf. "Wenn sich eine Gruppierung um die Zukunft der CDU kümmern kann, dann ist es ja wohl die Nachwuchsorganisation, die Junge Union, und das trauen wir uns auch zu."
Johannes Winkel führt die Junge Union seit 2022. Seit 2025 ist er Bundestagsabgeordneter, direkt gewählt in Düsseldorf. Spätestens während des großen Rentenstreits im vergangenen Jahr machte der JU-Vorsitzende bundesweite Schlagzeilen. Als einer der jungen Rentenrebellen in der Unionsfraktion, die das milliardenschwere Rentenpaket der eigenen Koalition ablehnten. Ein Konflikt, der auf dem "Deutschlandtag" vor knapp einem Jahr auf offener Bühne mit Friedrich Merz, dem Kanzler und CDU-Vorsitzenden, ausgetragen wurde.
KI, Familien, Rente
Könnte es in Bonn erneut hoch hergehen, wenn Merz am Samstag zu den Delegierten spricht? Er freue sich auf das Aufeinandertreffen, sagt Winkel. "Der letzte Deutschlandtag war in der Tat außergewöhnlich und interessant und ich bin natürlich gespannt, wie der Kanzler bei diesem Deutschlandtag auftreten wird. Wir sind auf jeden Fall sehr gut vorbereitet, inhaltlich sehr stark positioniert."
Inhaltliche Schwerpunkte der JU in Bonn, wo neben Merz auch CSU-Chef Markus Söder und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst reden, werden eine neue Familienpolitik, Künstliche Intelligenz und natürlich das Megathema Rente und Generationengerechtigkeit sein.
"Ich habe das Gefühl, dass wir im letzten Jahr es geschafft haben, das Thema Demografie zum ersten Mal wirklich intensiv in Deutschland zu diskutieren, und jetzt haben wir eben auch entsprechende Ergebnisse mit der Rentenkommission vorgelegt", meint Winkel.
Winkel will Vorsitzender bleiben
Der 34-Jährige hat einen steilen Aufstieg hingelegt, obwohl er einer der Anführer der "Rentenrebellen" war, vielleicht aber auch gerade deswegen. Seit Kurzem ist der Unionsfraktionsvize im Bundestag zuständig für Arbeit und Soziales. Sein Wort hat zunehmend Gewicht in der Partei.
Auch ein Grund, warum Winkel noch einmal für eine Amtszeit als Vorsitzender kandidiert, obwohl er eigentlich bald an die Altersobergrenze für die JU stößt. "Es ist ein toller Posten, JU-Vorsitzender zu sein, aber der Hauptpunkt der Kandidatur ist, dass es in den nächsten zwei Jahren meiner Meinung nach wirklich um existenzielle Fragen für die Union geht." Die Menschen erwarten von der Union Antworten, sagt Winkel. Er wolle helfen, sie zu geben.
