Weltraummission MMX "Idefix" soll Rätsel der Mars-Monde lösen
Stand: 19.10.2026 • 16:59 Uhr
Die japanische Mission MMX soll ab heute mit dem deutsch-französischen Rover "Idefix" zum Marsmond Phobos fliegen. Dort soll "Idefix" endlich klären, woher die rätselhaften Monde des Mars stammen.
Von Jan Kerckhoff, BR
Die japanische Raumsonde MMX (Martian Moons eXploration) soll heute um 21:41 Uhr MESZ ins All starten, um das kosmische Rätsel um die beiden Mars-Monde zu lösen. Phobos und Deimos, mit Durchmessern von nur 27 bzw. 15 Kilometern, sind unregelmäßig geformt und scheinen aus anderem Material zu bestehen als der Mars selbst.
Das widerspricht der Theorie, sie könnten nach einem Asteroiden-Einschlag aus dem Mars herausgebrochen sein. Eine andere Erklärung ist, dass es sich bei den beiden Monden um vom Mars eingefangene Asteroiden handelt.
Dagegen sprechen allerdings ihre Flugbahnen um den Mars, erläutert der an der Mission beteiligte wissenschaftliche Koordinator des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Stephan Ulamec: "Die Bahnen sind nahezu kreisförmig. Das passt nicht damit zusammen, dass ein Asteroid vorbeigeflogen ist und dann eingefangen wurde."
Der Mars-Mond Phobos ist im Vergleich zum Erd-Mond winzig. Auch die Schwerkraft auf dem Trabanten ist ausgesprochen gering. Unklar ist aber die Herkunft des Mondes. Das soll sich ändern.
Komplizierte Navigation
Die Raumsonde MMX besteht aus mehreren Modulen: einem Antriebsmodul für Flug und Bremsmanöver sowie einem Erkundungs- und Landemodul mit Kameras und anderen Instrumenten und einem Rover namens "Idefix" an Bord. Drittes Element ist ein Rückkehrmodul mit einer Kapsel für die Proben.
MMX soll 2029 den Mars erreichen, dort in eine spezielle Umlaufbahn einschwenken und die Monde untersuchen. Das Landemodul soll dabei auf Phobos landen.
Ein sehr anspruchsvolles Unternehmen, erläutert Ulamec: Zunächst muss die MMX-Raumsonde den Orbit des Mars erreichen. Dann muss sie in die Nähe von Phobos navigieren, einem kleinen Himmelskörper mit niedriger Schwerkraft und dem Mars sehr nahe. Ihre Umlaufbahn um den Mars ist deshalb extrem niedrig. So kann die Raumsonde dann in keinen klassischen Orbit um Phobos einschwenken.
"Idefix"-Abwurf aus 40 Metern Höhe
Die Sonde wird deshalb in einen sogenannten Quasi-Orbit gebracht. Aus diesem wirft sie den Rover "Idefix", der rund einen halben Meter lang ist, aus 40 Metern Höhe über der Oberfläche des Mondes ab, erläutert der Projektleiter von "Idefix", Markus Grebenstein vom DLR.
Das klingt dramatisch, ist es aber nicht, denn auf Phobos ist die Schwerkraft 2.000-mal geringer als auf der Erde: "Wir fallen circa 70 Sekunden lang, um diese 40 Meter zu überwinden, und setzen dann auf der Oberfläche auf. Der Impact ist ungefähr vergleichbar mit einer vollen Getränkekiste, die aus sieben Zentimetern auf Betonboden fällt."
"Idefix" wird auf der Oberfläche zunächst ein paar Hüpfer machen und dann seine vier Beine, an denen Räder montiert sind, ausklappen. Der Rover ist eine deutsch-französische Konstruktion und das Herzstück der europäischen Beteiligung an der Mission - und benannt nach dem ausdauernden Hund der Asterix-Comics.
Weil auf Phobos extrem wenig Anziehungskraft herrscht, wird "Idefix", rund 25 Kilogramm schwer, dort nur so viel wiegen wie ein leerer Briefumschlag, so Grebenstein. Deshalb wird "Idefix" maximal mit acht Millimetern pro Sekunde fahren, denn bei höheren Geschwindigkeiten könnte er abheben.
Kommunikation mit Rover stark verzögert
Die Verbindung zwischen Erde und Rover ist kompliziert. "Idefix" funkt nicht direkt zur Erde, sondern zur MMX-Sonde. Der Funkverkehr funktioniert daher nur, wenn die Sonde von der Erde aus quasi in Sicht ist, so Grebenstein.
"Es dauert im Durchschnitt etwas mehr als zwei Tage, bis wir die Daten auf der Erde haben. Deswegen müssen wir - anders als bei den Mars-Rovern - bei dieser Mission den Zustand des Rovers mit alten Daten beurteilen", erklärt der DLR-Projektleiter. Mit diesen soll dann seine aktuelle Situation simuliert werden, um zu entscheiden, ob "Idefix" seine nächste geplante Aufgabe ausführen kann oder nicht.
Was "Idefix" auf Phobos leisten soll
Trotz seiner geringen Größe trägt "Idefix" mehrere Instrumente. Ein Raman-Spektrometer untersucht die chemische Zusammensetzung des Gesteins, ein Radiometer die thermischen Eigenschaften der Oberfläche.
Hochauflösende Kameras, darunter sogenannte Wheelcams an den Rädern, nehmen die unmittelbare Umgebung, den Sandfluss und die Interaktion mit dem Fahrwerk auf. An den Rädern sind kleine Schaufeln oder "Rippen" befestigt, die nicht nur die Zugkraft verbessern sollen, sondern auch erlauben, über die Kameras Rückschlüsse auf das Verhalten des Untergrunds zu ziehen. So lässt sich etwa die Porosität des Materials und seine Festigkeit bestimmen.
Seine ersten Ergebnisse über den Untergrund liefert "Idefix" dann auch an die Landesonde, so dass für diese ein sicherer Landeplatz ausgewählt werden kann.
Die Sonde wird dann Material von der Oberfläche von Phobos aufnehmen, in eine Rückkehrkapsel verpacken und diese zurück zur Erde schicken. Die Analyse, zusammen mit den auf Phobos gewonnen Daten, soll dann - im Jahr 2031 - verraten, ob der Mond ein eingefangener Asteroid ist oder doch aus Gestein des Mars besteht, das bei einem gewaltigen Einschlag in die Umlaufbahn geschleudert wurde.
