Mutmaßliche Gruppenvergewaltigung "We are Jane Doe" - Protestdemo an US-Eliteuni
Stand: 14.10.2026 • 11:02 Uhr
Der Fall einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung an der Eliteuniversität Cornell sorgt in den USA weiter für Empörung. Rund 1.000 Studierende versammelten sich zu einer Protestdemo. Die Uni kündigte neue Maßnahmen an.
Rund 1.000 Protestierende haben sich im Stadtzentrum von Ithaca versammelt. Nicht nur Studierende der Cornell-University, viele sind auch aus anderen Uni-Städten angereist. "Wollt ihr dafür sorgen, dass sich jetzt endlich etwas ändert?", fragt eine der Organisatorinnen die Menge. Und auf ihre Nachfrage "Wann?" fordern die Demonstrierenden: "Jetzt!"
Eine der Protestierenden ist Maishay Causey, Studentin der Politikwissenschaft und Mitglied im Studentenparlament an der Cornell-University. Sie haben der Universitätsleitung vertraut, dass sie den Vorwürfen nachgeht, sagt Causey. "Dass dieses Vertrauen so missachtet wurde, war für viele sehr enttäuschend."
Leitung sei zu spät aktiv geworden
Das mutmaßliche Opfer der Gruppenvergewaltigung, eine Frau, die sich "Jane Doe" nennt, habe sich schon vor zwei Jahren an die Campus-Polizei gewandt, kritisiert die Studentin. Doch die Uni-Leitung sei erst aktiv geworden, nachdem Jane Doe Zivilklage gegen die mutmaßlichen Täter, sieben Verbindungsstudenten, eingereicht habe.
Causey kündigt Konsequenzen an: "Nicht nur die Dozenten werden der Uni-Leitung ihr Misstrauen aussprechen. Auch wir Studenten werden dies sehr bald tun."
Kaum Konsequenzen für die Täter
Was viele unter den Demonstranten besonders empört: Nur zwei der sieben Verbindungsstudenten mussten Cornell verlassen. Jane Doe dagegen hielt es nicht länger aus, mit ihren Peinigern in Vorlesungen zu sitzen. Sie verließ die Eliteuni.
Der 20-jährige Informatik-Student Nigel Tatem findet es wichtig, dass sich auch männliche Studenten an den Protesten beteiligen. Dass die mutmaßlichen Täter in der Tatnacht andere Verbindungsstudenten zum Mitmachen einluden, sieht er auch als Ergebnis eines toxischen Männlichkeitskults in vielen Studentenverbindungen:
Jungen Männern werde dort beigebracht, ein solches Verhalten zu tolerieren, kritisiert Tatem. "Deshalb sind wir für ein Verbot solcher Verbindungspartys."
Zunächst keine Verbindungspartys mehr
Tatsächlich hat der unter Druck stehende Universitätspräsident Michael Kotlikoff angekündigt, dass es bis Mitte Mai keine Partys und Veranstaltungen von Studentenverbindungen mehr geben darf. Für Julia Chang, Professorin für Spanische Literatur, reicht das nicht aus. Ihrer Meinung nach muss auch die von der Universität bezahlte Campus-Polizei abgeschafft werden.
Chang zieht einen Vergleich mit der Privatwirtschaft. Würde sich eine Vergewaltigung etwa bei Microsoft ereignen, wäre es aus ihrer Sicht abwegig, die Ermittlungen einer internen Polizei zu überlassen. "Das ist absurd", sagt die Professorin.
Gouverneurin strebt Gesetzesänderung an
Auch die Gesetzeslage müsse sich ändern im Bundesstaat New York und in 20 anderen US-Bundesstaaten, fordert Rechtsanwältin Lizzie Asher, die aus Washington DC angereist ist.
Für Frauen sei es so gut wie unmöglich, eine Klage wegen Vergewaltigung zu gewinnen, wenn man vorher freiwillig Alkohol getrunken hat: "Sobald du Alkohol getrunken hast, bist Du mit allem einverstanden, was in der Nacht danach passiert", kritisiert die Rechtsanwältin: "Das ist doch verrückt!"
Die Gouverneurin des Bundesstaates New York, Kathy Hochhul, will im Parlament von New York State eine entsprechende Gesetzesänderung durchsetzen. Doch für Jane Doe käme dies zu spät.
