Erst hergespielt, dann Chancenwucher BVB bekommt die Klasse von Bodø/Glimt zu spüren
Stand: 14.10.2026 • 23:18 Uhr
Nach dem bitteren Remis gegen Werder Bremen in der Bundesliga hat Borussia Dortmund in der Champions League die nächste Enttäuschung erlebt. Beim FK Bodø/Glimt gab es eine verdiente 0:1 (0:0)-Niederlage.
"Es gibt keine Ausreden. Die Intensität hat gefehlt, das ist einfach nicht genug. In der Champions League musst du eiskalt sein, das war ein Problem", sagte Abwehrchef Waldemar Anton bei DAZN. Und Trainer Niko Kovac schimpfte: "Bis zum Gegentreffer haben wir gar nicht stattgefunden. Wir müssen uns nicht beklagen und haben das Spiel zu Recht verloren. Die Leidenschaft hat mir einfach gefehlt."
Der BVB erlebte außerdem, was in den vergangenen Monaten so viele Vereine erlebt hatte, die zum ersten Mal auf dem Kunstrasen von Bodø/Glimt antreten mussten. Zehn Monate zuvor hatten die Dortmunder im eigenen Stadion schon beim 2:2 festgestellt, dass die Norweger namentlich vielleicht ein Underdog sind, spielerisch aber überhaupt nicht. Und in der Heimat sind sie eben noch stärker, was sie am Mittwochabend unter Beweis stellten.
BVB kommt mit der gegnerischen Spielstärke nicht klar
Ein paar Minuten brauchte Bodø/Glimt, um ins Spiel zu finden, doch dann offenbarte das Team wieder mal, dass es sich zu einer Topmannschaft entwickelt hat, die in der vergangenen Champions-League-Saison nicht zufällig das Achtelfinale erreicht hatte. Der BVB hatte keine Mittel gegen die ballsicheren Gastgeber, die ihr Kombinationsspiel aufzogen. Nach dem bis dahin besten Angriff hatte Sondre Fet in der 19. Minute die beste Chance, als sein Schlenzer ganz knapp am langen Pfosten vorbeiflog.
Nach 20 Minuten hatte Bodø/Glimt 58 Prozent Ballbesitz, gewann 58 Prozent der Zweikämpfe und schoss viermal Richtung BVB-Tor, während der deutsche Vizemeister offensiv so gut wie gar nicht in Erscheinung trat. Stattdessen hatte das Kovac-Team Glück, dass Jens Hauge nach einem langen Ball einen Querpass nicht ganz genau spielte und so das sichere 1:0 durch Ole Blomberg verbaselte (27.).
Bodø/Glimt legt nach der Pause noch einen Gang zu
Dortmund rettete sich ohne Gegentor in die Halbzeitpause - doch nach ihr wurde der Druck sofort noch größer. Nach nur 23 Sekunden hatte Andreas Helmersen die Riesenchance zum 1:0, Gregor Kobel hielt aber ganz stark. Nach der folgenden Ecke brauchte auch der Torhüter etwas Dusel, dass Helmersen aus kurzer Distanz über sein Tor köpfte (46.). Kurz darauf ging ein von Ramy Bensebaini abgefälschter Schuss ganz knapp vorbei (49.).
Zweikampf
Doch die vierte große Gelegenheit nach dem Seitenwechsel sorgte dann doch für die hochverdiente Führung des Heimteams. Wieder wurden die Dortmunder Reihen überspielt und den starken Angriff veredelte Fredrik Sjøvold mit einer Direktabnahme zum 1:0 (52.). Am ersten Spieltag war Bodø/Glimt noch beim FC Bayern München (0:5) untergegangen, jetzt waren sie dem ersten Sieg in dieser Saison in der Königsklasse nah.
Joker helfen Dortmund, aber treffen nicht
Kovac reagierte und brachte mit Felix Nmecha, Julian Ryerson, Ethan Nwaneri und Serhou Guirassy gleich vier Topjoker, die auch sofort für einen Umschwung in der Partie sorgten. Und beinahe hätte Nmecha sogar direkt für den Ausgleich gesorgt, seinen Schuss aus 22 Metern fischte Nikita Haikin allerdings ganz stark aus dem Winkel (62.). Kurz darauf bereitete Nmecha die nächste Großchance vor, Guirassys Schuss wurde aber kurz vor der Linie noch abgeblockt (69.).
Andreas Helmersen von Bodø/Glimt und Joane Gadou von Borussia Dortmund in Aktion.
Dortmund drückte den Gegner nun ganz tief in die eigene Hälfte, doch auch Nwaneri vergab den Ausgleich. Nach einer Flanke von Bensebaini kam die Leihgabe des FC Arsenal völlig frei zum Kopfball, setzte ihn aber genau in die Arme von Haikin (75.). Hilfe bekam der BVB, der das erste Gruppenspiel gegen den FC Villarreal (3:2) gewonnen hatte, auch nicht von Sjøvold, dem beinahe ein Eigentor unterlaufen wäre (83.), danach bewahrte Haikin seine Mannschaft wieder gegen Nwaneri vor dem Ausgleich (84.). Ein letztes Mal schaffte das der Torhüter gegen Nmecha Sekunden vor Schluss (90.+2).
Bodø/Glimt hatte größte Schwierigkeiten, den Vorsprung über die Zeit zu retten, doch es gelang. Während Dortmund am vergangenen Wochenende in den letzten Minuten einen 2:0-Vorsprung gegen Werder Bremen aus der Hand gegeben hatte, schaffte das Kovac-Team selbst nicht mehr das Comeback. So wird es am Samstag bei Union Berlin (15.30 Uhr) versuchen, in der Bundesliga für den Umschwung zu sorgen.
